In einem Sterbeeintrag begegnen dir mindestens zwei Rollen: die Person, die den Tod anzeigt, und die verstorbene Person. Diese Angaben auseinanderzuhalten ist der wichtigste erste Schritt. Der Ratgeber behandelt einen deutschsprachigen Standesamtseintrag, keinen kirchlichen Begräbniseintrag.
Das Original: Józef Wieczorek, 1904
In Eintrag Nr. 19 ist Anton Wieczorek die anzeigende Person. Verstorben ist das kleine Kind Józef, im Text als Josef geschrieben. Schon dieses Beispiel zeigt: Der erste Vorname im Dokument gehört nicht unbedingt zum Verstorbenen.

1. Nummer und Beurkundungsdatum
Bei diesem Aufbau steht C für Sterbefälle und Nr. 19 für die Eintragsnummer. Die Zahl 21 am oberen rechten Rand ist nicht die Nummer dieses Eintrags. Lies Ort und Datum im Kopf, übernimm dieses Datum aber noch nicht als Todestag.
Hier wurde der Eintrag am 2. Juni 1904 erstellt. Dasselbe Datum steht weiter unten beim Sterbeereignis. Bei anderen Einträgen können diese Tage auseinanderliegen. Das Todesdatum ist außerdem nicht automatisch das Begräbnisdatum.
2. Wer zeigte den Tod an?
Vor dem unterzeichneten Standesbeamten erschien heute… beginnt die Beschreibung der erschienenen Person. Es folgen Angaben zur Identität, Name, Beruf oder Stand und Wohnort. An dieser Stelle geht es um Anton Wieczorek.
und zeigte an, daß… bildet den Übergang zum Verstorbenen. Achte nun darauf, welcher Person die folgenden Angaben zugeordnet werden. Der Anzeigende kann ein Verwandter oder eine andere Person sein. Die Beziehung muss aus dem Text hervorgehen und darf nicht allein aus demselben Familiennamen abgeleitet werden.
3. Verstorbener: Alter, Religion, Wohnort und Geburt
Nach dem Namen folgen das Alter vor alt, die Religionsangabe, der Wohnort nach wohnhaft in und der Geburtsort nach geboren zu. Handschriftliche Ergänzungen können über die vorgedruckten Felder hinausgehen, zum Beispiel durch ein genaues Geburtsdatum hinter dem Geburtsort.
Jahre, Monate und Tage sind unterschiedliche Alterseinheiten. Hier sind 3 Monate und 20 Tage sowie der 12. Februar 1904 als Geburtsdatum angegeben. Notiere zunächst beides so, wie es im Eintrag steht. Suche zur Überprüfung den Geburtseintrag. Eine Altersangabe soll nicht die quellenmäßig belegte Geburtsangabe ersetzen.
4. Eltern und familiäre Beziehungen
Sohn, Tochter, des Anzeigenden und und seiner Ehefrau beschreiben Beziehungen. In diesem Original verbinden die Formulierungen das verstorbene Kind mit dem zuvor genannten Anzeigenden. Das ist ein Beleg, den die bloße Namensgleichheit nicht liefert.
geborene vor einem Frauennamen kennzeichnet den Geburtsnamen. Einträge für Erwachsene können zusätzlich Angaben zum Ehepartner oder Familienstand enthalten. Die Reihenfolge variiert. Ergänze einen schwer lesbaren Namen der Mutter nicht allein nach deiner Erwartung.
5. Wo und wann trat der Tod ein?
Der untere Satzteil nennt den Ort nach zu, den Zeitpunkt nach am und um … Uhr und endet mit verstorben sei. Bei in seiner Wohnung musst du aus dem Zusammenhang bestimmen, auf wen sich „seiner“ bezieht.
Im Beispiel steht hier der 2. Juni 1904, vormittags um drei Uhr. Bei vorgedrucktem mittags ist besonders auf ein ergänztes vor- oder nach- zu achten. Mache aus einem solchen Satz nicht zwei unterschiedliche Todeszeiten.
Eine eigene Todesursachenrubrik ist in diesem Beispiel nicht vorhanden. Leite die Ursache weder aus dem Alter des Kindes noch aus dem Todesdatum ab. Andere Jahrgänge und Formulartypen können andere Felder enthalten.
6. Abschluss und Prüfung
Vorgelesen, genehmigt und unterschrieben beschreibt den Abschluss der Beurkundung. Vergleiche die Unterschrift des Anzeigenden mit seinem Namen am Anfang. Der Standesbeamte kennzeichnet die Unterschrift des Beamten.
Erfasse Standesamt, Jahr und Nummer; Anzeigedatum; Anzeigenden und seine Beziehung zum Verstorbenen; Namen, Alter und gegebenenfalls Geburtsdatum des Verstorbenen; Eltern oder Ehepartner; Ort, Tag und Stunde des Todes. Unterscheide Wohnort und Ereignisort. Einen Überblick über solche Angaben bietet auch das Stadtarchiv Solingen in seinem Ratgeber zu Personenstandsregistern.
Weitere Hinweise können in anderen Einträgen stehen
Kehre nach einem Fund zum Geburtseintrag und gegebenenfalls zum Heiratseintrag zurück. Dort finden sich häufig spätere Hinweise auf Heirat, Tod oder Berichtigungen. Ein Nachtrag mit Standesamt und Eintragsnummer kann direkt zu einer weiteren Quelle führen. Sein Fehlen beweist nicht, dass das Ereignis nicht stattgefunden hat.
Vergleichsmaterial: deutscher und polnischer Vordruck
Die folgenden Grafiken sind geprüfte, moderne Lernvorlagen: ein Schema des deutschen Formulars und eine polnische Erläuterung. Sie sind keine historischen Blankovordrucke und keine vollständige Übersetzung des handschriftlich ausgefüllten Originals. Aufbau und Wortlaut tatsächlicher Einträge können abweichen. Ein Klick öffnet das Bild in voller Größe.
Trenne den Anzeigenden von der verstorbenen Person. Das Alter ist in Jahre, Monate und Tage aufgeteilt; die Todeszeit enthält ein Uhrzeitfeld und die Auswahl der Tageshälfte. „geb.” vor dem Namen der Mutter bezeichnet ihren Geburtsnamen, auf Polnisch „z domu”. Der Vater hat ein eigenes Namensfeld: Der Anzeigende muss nicht der Vater sein. Gezeigt wird die Variante „Vater und dessen Ehefrau”; andere Einträge können Eltern, Ehepartner oder Familienstand anders beschreiben. Auch der Wohnort der Eltern ist vorgesehen. Nicht benötigte Alterseinheiten und Geschlechtsvarianten sind Auswahlmöglichkeiten, keine zusätzlichen Angaben zur Person.


Passe die Handschrift nicht gewaltsam an einen leeren Vordruck an. Bestimme zuerst die Funktion des Satzteils, vergleiche dann die Buchstaben und prüfe zuletzt Namen und Daten anhand weiterer Quellen. Zum Üben eignet sich der Kurrent-Lesekurs der Universität Wien.
Weiterlesen: alte Geburtseinträge lesen und alte Heiratseinträge lesen.